{"id":244,"date":"2020-06-26T12:00:58","date_gmt":"2020-06-26T10:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/kollegprojekt.kfj.at\/2020\/?p=244"},"modified":"2020-10-01T17:42:28","modified_gmt":"2020-10-01T15:42:28","slug":"frauen-hinter-klostermauern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kollegprojekt.kfj.at\/2020\/frauen-hinter-klostermauern\/","title":{"rendered":"Ordensfrauen: Zwischen Versuchungen und Gottesliebe"},"content":{"rendered":"<h4>Schwester Miriam ist Nonne geworden, da war sie gerade erst Anfang 20. Wie ist es, als Ordensfrau ohne Eigentum und Partnerschaft zu leben und was bedeutet das in Sachen Freiheit? Ein Blick hinter 1.300 Jahre alte Mauern.<\/h4>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>von ALEXANDRA HOGAN<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte ein Raum aus einer l\u00e4ngst vergangenen Zeit sein. M\u00f6bel aus Vollholz, nichts industriell Gefertigtes von Ikea, alte Vorh\u00e4nge und in der Mitte ein gusseisernes Gitter. Letzteres teilt das Besucherzimmer in zwei Bereiche. \u201eEigentlich wirklich sehr sch\u00f6n und kunstvoll gemacht\u201c, sagt Schwester (Sr.) Miriam. Und f\u00fcgt schnell hinzu: \u201eDas ist noch von fr\u00fcher. Wenn eine Schwester Besuch empfangen hat, dann war sie hinter dem Gitter und die Besucher davor.\u201c<\/p>\n<p>Heute setzt sich Sr. Miriam nicht hinter das Gitter, sondern in den ehemaligen Besucherteil; schwungvoll, dynamisch und trotzdem kontrolliert sind ihre Bewegungen. Auf dem Tisch liegt eine geh\u00e4kelte Tischdecke, dar\u00fcber eine durchsichtige Plastikplatte. Auch wenn man dem verwinkelten <a rel=\"nofollow\" target=\"_blank\"  href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kloster\">Kloster<\/a> sein Alter ansieht, mit Sauberkeit und Ordnung gibt es hier keine Probleme. Die Luft ist frisch \u2013 wichtig in einer Umgebung, in der auch betagte Mitschwestern wohnen, gerade in Zeiten von Corona.<\/p>\n<p>Die Benediktinerinnenabtei Nonnberg sei streng klausuriert, sagt Sr. Miriam \u2013 aber nicht ganz streng. Seit dem zweiten Vatikanischen Konzil, einer Versammlung katholischer Bisch\u00f6fe aus aller Welt in den 1960ern, sei einiges etwas lockerer geworden. Konkret hei\u00dft das: In der Regel verlassen die Schwestern die Klausur, den ihnen vorbehaltenen Bereich, nicht. Aber sie k\u00f6nnen einmal im Jahr f\u00fcr drei Wochen auf Urlaub fahren. Im Orden der unbeschuhten Karmeliten sei das beispielsweise nicht so, da d\u00fcrften die Schwestern nur in medizinischen Notf\u00e4llen das Kloster verlassen und die Gespr\u00e4che mit Freunden und Familie f\u00e4nden nach wie vor \u201ehinter Gitter\u201c statt. \u201eDas w\u00fcrde ich nicht aushalten\u201c, denkt Sr. Miriam laut.<\/p>\n<h3>Eintritt ins Kloster kam unerwartet<\/h3>\n<p>Im Jahr 2018 lebten in \u00d6sterreich rund 3.200 Ordensfrauen. Weltweit waren es 650.000, Tendenz sinkend. Trotzdem kommen manche Kl\u00f6ster immer wieder mit Nachrichten \u00fcber regen Ordensnachwuchs in die Medien, w\u00e4hrend andere Gemeinschaften wortw\u00f6rtlich aussterben, weil unter jungen Leuten kaum Interesse an ihnen besteht. Was sie zu unterscheiden scheint, ist oftmals die \u201eLinie\u201c der Gemeinschaft. Das Kuriose scheint zu sein: W\u00e4hrend Gemeinschaften mit lockeren Regeln um Nachwuchs ringen, muss so manches Kloster mit strengeren Richtlinien seine R\u00e4umlichkeiten ausbauen, um mehr Platz zu schaffen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1045 aligncenter\" src=\"https:\/\/kollegprojekt.kfj.at\/2020\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Y8IWj-sterreich-immer-weniger-ordensfrauen_bea-1024x694.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"694\" srcset=\"https:\/\/kollegprojekt.kfj.at\/2020\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Y8IWj-sterreich-immer-weniger-ordensfrauen_bea-1024x694.png 1024w, https:\/\/kollegprojekt.kfj.at\/2020\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Y8IWj-sterreich-immer-weniger-ordensfrauen_bea-768x520.png 768w, https:\/\/kollegprojekt.kfj.at\/2020\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Y8IWj-sterreich-immer-weniger-ordensfrauen_bea-1536x1041.png 1536w, https:\/\/kollegprojekt.kfj.at\/2020\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Y8IWj-sterreich-immer-weniger-ordensfrauen_bea.png 1594w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass Sr. Miriam mittlerweile in ihren F\u00fcnfzigern ist, sieht man ihr nicht an. \u201eDas kommt vom vielen Beten, das macht gl\u00fccklich und h\u00e4lt jung\u201c, kommentiert sie ihre glatte Haut und lacht dabei. Sich vorzustellen, sie k\u00f6nnte Jeans und T-Shirt tragen, ist fast absurd. Das schwarze Gewand, Habit genannt, und der Schleier scheinen zu ihrer Pers\u00f6nlichkeit zu geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Als Jugendliche h\u00e4tte sie sich niemals gedacht, dass sie einmal im Kloster landen w\u00fcrde. Im Bereich Entwicklungshilfe arbeiten, heiraten, eine Familie gr\u00fcnden \u2013 das war der urspr\u00fcngliche Plan, erz\u00e4hlt sie und lacht laut. \u201eDas ist dann wohl ein bisschen anders gelaufen, letztendlich.\u201c Als Teenager ahnte sie nicht, dass sie im Kloster nicht ihre Freiheit aufgeben m\u00fcsse, sondern sie erst genau hier finden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Sr. Miriams Lebensgeschichte hat Ecken und Kanten. In Fuschl am See in einer katholischen Familie aufgewachsen, kam ihr Glaube schon in jungen Jahren in Bedr\u00e4ngnis. Ein Lehrer machte ihr zu schaffen, die Aussicht, ein Schuljahr wiederholen zu m\u00fcssen; dann der Tod einer Freundin im Alter von 16 Jahren, bei einem Autounfall. \u201eDas hat meinen Glauben ersch\u00fcttert und mich von Gott entfernt. Ich hatte das Gef\u00fchl, dass mir Gott in diesen Situationen nicht helfen kann\u201c, erinnert sich die Ordensfrau. Am Sonntag den Eltern zu Liebe in die Kirche, aber auch Fortgehen, in Discos tanzen, eine Beziehung, das war ihr Leben.<\/p>\n<h3>Eintritt in Orden als Skandal<\/h3>\n<p>Zum Leben in einem Kloster geh\u00f6rt der Z\u00f6libat ganz selbstverst\u00e4ndlich dazu. Keuschheit, Armut und Gehorsam versprechen die Mitglieder vieler Ordensgemeinschaften; in anderen sind es Best\u00e4ndigkeit, kl\u00f6sterlicher Lebenswandel und Gehorsam. Egal, welche Art von Gel\u00fcbde man ablegt, die Ehelosigkeit ist immer dabei. \u201eDer Eintritt in einen Orden muss mit all seinen Verpflichtungen gut durchdacht sein\u201c, erkl\u00e4rt der Salzburger Psychiater Ricardo Febres Landauro. Entscheidungen aus dem Bauch heraus seien nicht angebracht. Eine Frau, die am Klosterleben interessiert ist, m\u00fcsse sich dar\u00fcber im Klaren sein, dass mit der Gemeinschaft auch ganz bestimmte Regeln einhergehen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Febres ist eine Unterscheidung wichtig, n\u00e4mlich dass Freiheit nicht mit Wahlfreiheit gleichzusetzen ist. \u201eWir haben heute viel mehr Wahlm\u00f6glichkeiten als noch vor 500 Jahren, deswegen ist das subjektive Empfinden von Mangel heute gr\u00f6\u00dfer als damals. Sich in seinen M\u00f6glichkeiten einzuschr\u00e4nken bedeutet aber nicht, seine Freiheit zu verlieren. Innere Freiheit kommt nicht aus \u00e4u\u00dferen Wahlm\u00f6glichkeiten.\u201c Folglich bedeute die Annahme einer z\u00f6libat\u00e4ren Lebensform nicht die Aufgabe der eigenen Freiheit \u2013 auch wenn der Z\u00f6libat die individuellen Wahlm\u00f6glichkeiten einschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Warum es oft fast schon ein Skandal sei, wenn ein junger Mensch in ein Kloster eintritt? Es gehe um das, was man glaube, sagt der Psychiater. \u201eWenn ich den Glauben einer Person nicht teilen kann, ist das, was sie glaubt und spricht f\u00fcr mich nicht erlebbar \u2013 also wird dieser Schritt zum Affront.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_1107\" style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1107\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1107 size-medium\" src=\"https:\/\/kollegprojekt.kfj.at\/2020\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Sr.-Miriam_2-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/kollegprojekt.kfj.at\/2020\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Sr.-Miriam_2-768x1024.jpg 768w, https:\/\/kollegprojekt.kfj.at\/2020\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Sr.-Miriam_2-1440x1920.jpg 1440w, https:\/\/kollegprojekt.kfj.at\/2020\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Sr.-Miriam_2-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/kollegprojekt.kfj.at\/2020\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Sr.-Miriam_2.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><p id=\"caption-attachment-1107\" class=\"wp-caption-text\">Klosterleben: Hinter Gitter m\u00fcssen die Schwestern der Abtei Nonnberg bei Besuchen schon lange nicht mehr. (Foto: Hogan)<\/p><\/div>\n<p>Es ist Sr. Miriams Tante zu verdanken, dass sie ihre Beziehung zu Gott dann doch wiedergefunden hat. Die Tante hatte ihrer jungen Nichte nach Abschluss der Schule eine Reise nach Jugoslawien geschenkt. \u201eSuper, hab\u2018 ich mir gedacht, das wird mir gezahlt und wir kommen ans Meer\u201c, dachte sich die damals 18-J\u00e4hrige \u2013 unwissend, dass die Reise sie nicht an einen idyllischen Strand, sondern in den kargen Marienwallfahrtsort Medjugorje im heutigen Bosnien-Herzegowina f\u00fchren w\u00fcrde. Es folgte \u2013 nach anf\u00e4nglichem Schock \u2013 ihr \u201eUmkehrmoment\u201c, wie sie es nennt; ein gewaltiges Aha-Erlebnis, als sie das erste Mal seit langer Zeit wieder zur Beichte ging. \u201eIn diesem Moment hat mich Gott ber\u00fchrt\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p>Nach einigen Jahren dann die Entscheidung. Sr. Miriam tritt in das Benediktinerinnenkloster am Salzburger Nonnberg ein; in das \u00e4lteste Frauenkloster mit ununterbrochener Tradition weltweit. Und schnell stellt sich die Erkenntnis ein: Im Kloster verliert man Freiheit, aber man gewinnt sie auch.<\/p>\n<h3>Nicht mehr Herr \u00fcber sich<\/h3>\n<p>Clementina* ist mit 25 Jahren in eine Wiener Klostergemeinschaft eingetreten. Auch sie hat die Liebe zu Gott dorthin gebracht, aber: Sie ist nicht geblieben. Nach rund zwei Jahren hat die quirlige junge Frau den Orden mit einer schweren Depression verlassen. Was anfangs wie eine gro\u00dfe Liebesgeschichte aussah, war nicht von langer Dauer. \u201eAls ich das erste Mal f\u00fcr einige Zeit die Gemeinschaft besucht habe, habe ich mich sofort verliebt. Ich habe sofort gedacht, dass ich da eintreten m\u00f6chte\u201c, beschreibt sie ihre erste Begegnung. Eine klassische Bauchentscheidung.<\/p>\n<p>Heute ist die lebhafte Br\u00fcnette mit dem ansteckenden Lachen Juristin in einem \u00f6sterreichischen Ministerium, treibt viel Sport, hat einen regen Freundeskreis und genie\u00dft die vielen Kleinigkeiten, die ihr im Kloster verwehrt waren. \u201eKomischerweise habe ich nicht damit gehadert, eine eigene Familie mit der Entscheidung f\u00fcr das Kloster aufzugeben. F\u00fcr mich war der Gedanke schwieriger, mit meinem Eintritt meinen gesamten Besitz aufgeben zu m\u00fcssen. Andere sagen, das ist befreiend, aber bei mir war das \u00fcberhaupt nicht der Fall\u201c, sagt sie, w\u00e4hrend sie sich die Brille auf ihrer Nase richtet. Das schwierigste an ihrem Leben als Ordensfrau: nicht Herr \u00fcber sich selbst zu sein. \u201eDa entscheidet immer ein Oberer mit.\u201c<\/p>\n<p>Und dann war da noch die Sache mit dem Schlafen. Sie erkl\u00e4rt: \u201eIm Kloster hat der Tag offiziell mit dem ersten Gebet um 5.35 Uhr angefangen. Abends geht man deswegen sehr fr\u00fch zu Bett. F\u00fcr mich war das alles andere als leicht.\u201c Nach ihrem Austritt hat Clementina in einem Buch einen Satz gelesen, der jetzt f\u00fcr sie der Inbegriff von Freiheit ist: \u201eFreiheit ist, wenn man selbst entscheidet, wann man schlafen geht.\u201c Trotzdem bereut sie die Zeit bei den Schwestern nicht. Diese Erfahrung habe sie zu der Person gemacht, die sie heute ist.<\/p>\n<p>Und letztendlich bedeutet ihr Weg nicht, dass andere Menschen nicht Erf\u00fcllung und Freiheit im kl\u00f6sterlichen Leben finden k\u00f6nnen. \u201eEs ist halt nicht mein pers\u00f6nlicher Weg, nicht meine Berufung\u201c, sagt Clementina und nimmt einen Schluck Cola aus ihrem Flamingoglas. Cola und Flamingo, das sind gro\u00dfe Leidenschaften f\u00fcr sie. Zumindest den amerikanischen Softdrink h\u00e4tte es hin und wieder im Orden gegeben, erz\u00e4hlt sie zufrieden.<\/p>\n<h3>Freiheit ist &#8222;Frei sein von mir selbst&#8220;<\/h3>\n<p>\u201eManchmal w\u00fcrde ich schon gerne einfach raus und eine Runde joggen gehen, mich richtig bewegen\u201c, sagt Sr. Miriam und gestikuliert dabei mit ihren feinen H\u00e4nden. Dass sie im Kloster nicht allzu viel Sport betreiben kann, sieht man ihr nicht an. Zumindest genug Sport, dass man ohne Probleme gesund bleibt, meint sie. Durch die engen G\u00e4nge der altehrw\u00fcrdigen Gem\u00e4uer bewegt sie sich rasch und wendig, und erzeugt dabei mit ihrer Ordenstracht ein wehendes Ger\u00e4usch. Auf dem Weg von der Pforte, dem Eingang des Klosters, ins Besucherzimmer im ersten Stock kommt man ihr kaum nach, so schnell geht sie.<\/p>\n<p>Viele Kleinigkeiten sind in der Benediktinerabtei Nonnberg nicht mehr m\u00f6glich und jede einzelne davon bedeutet ein Opfer. Vor kurzem habe es eine Kandidatin f\u00fcr die Gemeinschaft gegeben, eine junge Frau, Spitzensportlerin. Die Sehnsucht nach Sport habe ihr aber keine Ruhe gelassen. \u201eNach einigen Monaten ist sie dann wieder gegangen\u201c, erz\u00e4hlt Sr. Miriam und sieht dabei ein wenig wehm\u00fctig aus.<\/p>\n<p>Am Anfang halten viele Novizinnen, die Schwestern in Ausbildung, die Klausur noch gut aus, berichtet Sr. Miriam, aber nach einigen Monaten wird es in der Regel m\u00fchsamer. Als sie eingetreten ist, hat die \u201eNoviziat\u201c genannte Probezeit noch sechs Jahre gedauert. Eines davon war besonders streng: Zw\u00f6lf Monate lang durfte sie gar keinen Besuch empfangen, weder von Verwandten noch von Freunden. Warum Sr. Miriam trotz Verzicht auf viele Dinge, die ihr lieb sind oder waren, ins Kloster gegangen und noch immer da ist? Kurze Stille, sie atmet tief durch und streicht sich \u00fcber den schwarzen Schleier. \u201eZuerst erkennt man es nicht, aber man w\u00e4chst mit der Zeit in die Freiheit hinein. Freiheit bedeutet f\u00fcr mich auch, von mir selbst frei zu sein. Ich m\u00f6chte nicht um mich kreisen, sondern mehr und mehr Christus \u00e4hnlich werden.\u201c<\/p>\n<p>Gleichzeitig bedeutet Freiheit f\u00fcr Sr. Miriam, frei von Dingen zu sein. F\u00fcr junge Menschen heute sei es schwieriger, sich f\u00fcr ein kl\u00f6sterliches Leben zu entscheiden als noch vor einigen Jahrzehnten. \u201eHeute gibt es so viel, gerade die Technik, moderne Handys. Aber diese Dinge k\u00f6nnen uns auch daran hindern, unseren Weg zu gehen. Wenn eine junge Frau das alles gew\u00f6hnt ist, dann ist der Einschnitt mit dem Eintritt ins Kloster heftiger.\u201c<\/p>\n<h3>Der lange Weg in die Gemeinschaft<\/h3>\n<p>Das Leben in einer Ordensgemeinschaft verl\u00e4uft nicht immer geradlinig. Frauen kommen, Frauen gehen. Es passiert nicht selten, dass Kandidatinnen die Gemeinschaften wieder verlassen, gerade wenn sie ihre ewigen Gel\u00fcbde noch nicht abgelegt haben. Der Weg zu diesem Versprechen ist ein mehr oder wenig langer. In der Regel beginnt er mit der Kandidatur. Die Interessierten leben dann f\u00fcr einige Monate als Kandidaten mit und pr\u00fcfen, ob das geweihte Leben der richtige Weg f\u00fcr sie sein k\u00f6nnte. Beantworten sie diese Frage mit \u201eja\u201c, so werden sie als Novizinnen aufgenommen und erhalten dabei auch das Ordensgewand. Im Noviziat sollen sie ihre Berufung besonders pr\u00fcfen und erhalten Unterricht im kl\u00f6sterlichen Leben. Nach dem Noviziat k\u00f6nnen die Novizen, die bleiben wollen, ihre zeitlichen Gel\u00fcbde f\u00fcr einige Jahre ablegen. Und wenn sie sich nach dieser Zeit noch immer sicher sind, dann hei\u00dft es: Bis der Tod sie vom Kloster scheidet.<\/p>\n<div id=\"attachment_1195\" style=\"width: 693px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1195\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1195 size-full\" src=\"https:\/\/kollegprojekt.kfj.at\/2020\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Klosterkirche_Nonnberg-1.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" \/><p id=\"caption-attachment-1195\" class=\"wp-caption-text\">Besucher der Klosterkirche Nonnberg bekommen die Schwestern selten zu sehen. Sie beten meist in einem abgetrennten Teil des Gotteshauses. (Foto: Flickr\/Kent Wang)<\/p><\/div>\n<p>Nat\u00fcrlich k\u00e4men auch Versuchungen an Ordensfrauen heran, sagt Sr. Miriam. Die Frau mit den feinen Gesichtsz\u00fcgen erz\u00e4hlt von Gedanken \u00fcber die biologische Uhr: \u201eMan \u00fcberlegt sich dann, jetzt w\u00e4re ich in einem Alter, wo ich noch Kinder bekommen k\u00f6nnte.\u201c Vor einigen Jahren hat sie sich in einen Mann verliebt und er sich auch in sie, da war sie schon lange im Kloster. Eine Herausforderung f\u00fcr die Ordensfrau: \u201eIch habe extrem damit gerungen, aber dann auch gemerkt, dass ich nicht gleich das Handtuch werfen und davonlaufen darf. Auch wenn es f\u00fcr den Moment sicher sch\u00f6n gewesen w\u00e4re.\u201c<\/p>\n<p>Immer wieder sei sie von Gott gezogen worden; im Kloster hat sie Erf\u00fcllung gefunden, weil sie wei\u00df, dass Gott sie mehr liebe, als jeder andere Mensch das jemals k\u00f6nnte. Nach einem kurzen Moment schaut sie auf, l\u00e4chelt und sagt dabei: \u201eHeute kann ich sagen, dass ich mit dem Kloster Freiheit gewonnen habe, auch wenn gerade der Anfang schwer war.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>*Name von der <a href=\"https:\/\/kollegprojekt.kfj.at\/2020\/about-us\/\">Redaktion<\/a> ge\u00e4ndert<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beitragsbild-Quelle: Alexandra Hogan<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwester Miriam ist Nonne geworden, da war sie gerade erst Anfang 20. Wie ist es, als Ordensfrau ohne Eigentum und Partnerschaft zu leben und was bedeutet das in Sachen Freiheit? 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